Backgorund image

Infektionsprophylaxe

Jede chirurgische Operation – sei es ein medizinisch notwendiger Eingriff oder eine ästhetische Korrektur – durchbricht die natürliche Schutzbarriere unseres Körpers: die Haut. Damit entsteht unweigerlich das Risiko, dass Bakterien oder andere Erreger in die Wunde eindringen und eine Infektion auslösen. Um dieses Risiko auf ein absolutes Minimum zu reduzieren, greift ein komplexes System aus medizinischen und hygienischen Maßnahmen: die Infektionsprophylaxe.

In diesem Leitfaden erklären wir Ihnen, welche unsichtbaren Schutzschilde in der Klinik für Ihre Sicherheit sorgen und – noch wichtiger – wie Sie als Patient durch Ihr eigenes Verhalten vor und nach der Operation aktiv dazu beitragen, Wundinfektionen zu verhindern.

Disclaimer
Disclaimer
  • Dieser Artikel dient der reinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Beratung. Für die Erstellung eines individuellen Behandlungsplans ist das Gespräch mit einem qualifizierten Facharzt (Dermatologe, Plastischer Chirurg) unerlässlich.
Infektionsprophylaxe Steriler Arbeitstisch OP

Definition: Was ist eine Infektionsprophylaxe?

Die Infektionsprophylaxe umfasst alle vorbeugenden (präventiven) medizinischen, hygienischen und verhaltensbezogenen Maßnahmen, die das Ziel haben, das Entstehen und die Ausbreitung von Infektionskrankheiten zu verhindern.

Im chirurgischen Kontext bezieht sich der Begriff primär auf die Vermeidung von postoperativen Wundinfektionen (Surgical Site Infections, SSI). Dies reicht von der Sterilisation der Instrumente über die Gabe von Antibiotika bis hin zur korrekten Wundversorgung durch den Patienten zu Hause.

Die 3 Phasen der Prophylaxe: Ein ganzheitlich­es Konzept

Eine effektive Infektionsvermeidung ist kein einzelner Schritt, sondern ein lückenloser Prozess, der sich in drei Phasen unterteilt:

  1. Präoperativ (vor der OP): Optimierung des Gesundheitszustandes des Patienten und Vorbereitung des OP-Feldes.
  2. Intraoperativ (während der OP): Strikte Einhaltung der Asepsis (Keimfreiheit) im Operationssaal und schonende Operationstechnik.
  3. Postoperativ (nach der OP): Professionelle Wundpflege und Überwachung während der Heilung.

Glossar Icon
Wissen tanken?
In unserem Glossar findest du einfache Erklärungen und hilfreiche Infos – kompakt und verständlich aufbereitet.

Ärztliche Maßnahmen: So schützt Sie die Klinik

In zertifizierten Kliniken und OP-Zentren unterliegt die Hygiene strengsten gesetzlichen Vorgaben (z. B. durch das Robert Koch-Institut – RKI). Zu den unsichtbaren, aber essenziellen Standardmaßnahmen gehören:

  • Händehygiene & Schutzkleidung: Das gesamte OP-Team führt eine chirurgische Händedesinfektion durch und trägt sterile Kittel, Handschuhe, Hauben und Mundschutz.
  • Asepsis: Alle verwendeten Instrumente, Implantate (z. B. bei einer Brustvergrößerung) und Abdecktücher sind zu 100 % steril.
  • Hautdesinfektion: Das Operationsgebiet des Patienten wird vor dem ersten Schnitt mehrfach großflächig mit speziellen Lösungen desinfiziert, um die hauteigene Bakterienflora zu reduzieren.
  • Raumlufttechnik (RLT): Moderne Operationssäle verfügen über spezielle Lüftungssysteme, die die Luft filtern und einen Überdruck erzeugen, um das Eindringen von Keimen von außen zu verhindern.

Die perioperative Antibiotika­prophylaxe (PAP)

Einer der wichtigsten medizinischen Bausteine bei vielen Eingriffen ist die perioperative Antibiotikaprophylaxe (PAP).

  • Was ist das? Der Patient erhält (meist über den Tropf, kurz bevor die Narkose eingeleitet wird) eine einmalige, hohe Dosis eines Antibiotikums.
  • Der Zweck: Ziel ist es, genau in dem Moment, in dem die Haut durchtrennt wird, den maximalen Wirkstoffspiegel im Blut und im Gewebe zu haben. Sollten trotz aller Hygiene Bakterien in die Wunde gelangen, werden diese sofort abgetötet, bevor sie sich vermehren können.
  • Wann wird sie angewendet? Nicht bei jeder kleinen OP, aber standardmäßig bei Eingriffen, bei denen Fremdmaterialien (Implantate) eingebracht werden, oder bei großen, lang andauernden Operationen (wie einem Bodylifting).

Ihre Rolle: Wie Sie Ihr Infektionsrisiko vor der OP senken

Patienten haben einen weitaus größeren Einfluss auf die Infektionsprophylaxe, als oft angenommen wird. Ihr Immunsystem ist die wichtigste Waffe.

Infektionsprophylaxe Leitfaden

Checkliste: Infektionsprophylaxe für Patienten (Vor der OP)

  • Rauchstopp: Nikotin verengt die Blutgefäße, verschlechtert die Durchblutung extrem und ist der Risikofaktor Nummer 1 für Wundheilungsstörungen und Infektionen. Stellen Sie das Rauchen mindestens 4 Wochen vor der OP ein!
  • Körperpflege: Duschen Sie am Abend vor oder am Morgen der Operation gründlich (ggf. mit einer vom Arzt empfohlenen desinfizierenden Waschlotion).
  • Keine Rasur am OP-Tag: Rasieren Sie das OP-Gebiet nicht selbst kurz vor dem Eingriff. Kleine Mikroverletzungen sind ideale Eintrittspforten für Bakterien. Wenn nötig, erfolgt eine Haarentfernung durch das Personal direkt vor der OP mittels Klipper.
  • Ernährung & Diabetes: Ein gut eingestellter Blutzuckerspiegel (bei Diabetikern) und eine eiweißreiche Ernährung stärken die Immunabwehr.

Die richtige Wundpflege nach der Operation

Die Prophylaxe geht zu Hause weiter. Eine offene oder frisch genähte Wunde ist anfällig.

  • Fassen Sie Wunden und Verbände niemals mit ungewaschenen Händen an.
  • Belassen Sie spezielle Pflaster und Verbände so lange auf der Wunde, wie vom Arzt angeordnet.
  • Duschen Sie erst, wenn der Arzt es ausdrücklich erlaubt hat (meist nach 2-3 Tagen mit wasserfesten Pflastern). Baden und Schwimmen sind für mehrere Wochen absolut tabu.
  • Schützen Sie die Wunde vor Haustieren (Hunde/Katzen), da diese gefährliche Keime übertragen können.

Glossar Icon
Wissen tanken?
In unserem Glossar findest du einfache Erklärungen und hilfreiche Infos – kompakt und verständlich aufbereitet.

Das Restrisiko und die finanzielle Absicherung

Trotz der Einhaltung aller Hygienevorschriften und der Gabe von Antibiotika gibt es keine 100-prozentige Sicherheit. Eine postoperative Wundinfektion bleibt ein gefürchtetes Restrisiko.

Tritt eine Infektion auf – besonders, wenn Implantate betroffen sind –, ist schnelles Handeln erforderlich. Oft reicht eine Antibiotika-Therapie nicht aus, und es muss eine operative Wundrevision (Spülung der Wunde im OP-Saal, evtl. Implantatwechsel) durchgeführt werden.

Da die Krankenkassen die Kosten für die Behandlung von Komplikationen nach rein ästhetischen Eingriffen (gemäß § 52 Abs. 2 SGB V) in der Regel nicht oder nur teilweise übernehmen, drohen hier enorme finanzielle Belastungen. Der vorherige Abschluss einer Folgekostenversicherung kann ein zuverlässiger Weg sein, um sich vor den hohen OP- und Klinikkosten einer solchen infektionsbedingten Notfallbehandlung abzusichern.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Muss ich nach der OP zu Hause weiter Antibiotika nehmen?
Das entscheidet der Operateur. Bei vielen Eingriffen reicht die einmalige Gabe (PAP) im OP aus. Manchmal wird jedoch zur Sicherheit ein Antibiotikum in Tablettenform für einige Tage verordnet. Halten Sie sich strikt an den Einnahmeplan und setzen Sie das Medikament nicht vorzeitig ab.
Woran erkenne ich eine Wundinfektion?
Die klassischen Anzeichen (Entzündungszeichen) sind: 

  • zunehmende Rötung
  • starke Überwärmung des Areals
  • pochende Schmerzen
  • starke Schwellung
  • Austritt von Eiter oder trübem Sekret
  • Fieber (über 38°C)

Kontaktieren Sie bei diesen Symptomen sofort Ihren Arzt!

Was ist MRSA?
MRSA steht für Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus. Es ist ein sogenannter „Krankenhauskeim“, der gegen viele gängige Antibiotika resistent ist. Moderne Kliniken führen vor großen OPs oft ein Screening (Nasenabstrich) durch, um Träger dieses Keims zu identifizieren und spezielle Hygienemaßnahmen zu ergreifen.
Erhöht ein Bluterguss das Infektionsrisiko?
Ja. Ein großes, sich ansammelndes Hämatom (Bluterguss) oder Serom (Wundwasser) ist ein idealer Nährboden für Bakterien. Daher ist das Kühlen und das Tragen von Kompressionskleidung zur Vermeidung solcher Ansammlungen ein indirekter Teil der Infektionsprophylaxe.