Carboxytherapie
In der ästhetischen Medizin werden ständig neue, schonende Verfahren entwickelt, um das Hautbild zu verbessern, ohne auf das Skalpell zurückgreifen zu müssen. Eines dieser innovativen Verfahren ist die Carboxytherapie, bei der ein altbekanntes Gas auf neue Weise genutzt wird: Kohlendioxid. Die Methode verspricht, dunkle Augenringe aufzuhellen, Dehnungsstreifen zu mildern und sogar Cellulite zu bekämpfen.
Doch was steckt wirklich hinter dieser Behandlung? In unserem Glossarbeitrag erklären wir Ihnen fundiert und objektiv die wissenschaftlichen Grundlagen der Carboxytherapie, ihre Anwendungsgebiete und geben eine realistische Einschätzung zu den Chancen und Risiken.
Definition: Was ist die Carboxytherapie?
Die Carboxytherapie ist ein minimal-invasives medizinisches Verfahren, bei dem steriles, medizinisches Kohlendioxid (CO2) in geringen Dosen gezielt unter die Haut (subkutan) injiziert wird. Ziel der Behandlung ist es, die lokale Mikrozirkulation und die Sauerstoffversorgung im Gewebe massiv zu steigern.
Dieser Prozess regt die Zellerneuerung und die Bildung von neuem Kollagen an, was zu einer Verbesserung der Hautstruktur, Elastizität und des Erscheinungsbildes führen kann.
Die Wissenschaft dahinter: Wie der Bohr-Effekt die Haut verjüngt
Die Wirkung der Carboxytherapie basiert auf einem cleveren, körpereigenen Mechanismus, dem sogenannten Bohr-Effekt.
Stellen Sie sich vor: Die injizierte, kleine Menge CO2 signalisiert dem Körper fälschlicherweise einen lokalen Sauerstoffmangel. Der Körper reagiert automatisch mit einer physiologischen Anpassung, um die lokale Sauerstoffversorgung zu verbessern.
- Gefäßerweiterung (Vasodilatation): Die Blutgefäße im behandelten Areal erweitern sich, was die lokale Durchblutung verbessert.
- Sauerstoff-Freisetzung: Die roten Blutkörperchen (Hämoglobin), die im Blut antransportiert werden, geben gemäß dem Bohr-Effekt bei erhöhter CO2-Konzentration vermehrt Sauerstoff (O2) an das umliegende Gewebe ab.
- Regeneration: Dieser plötzliche Überschuss an Sauerstoff und Nährstoffen wirkt wie ein Turbo für die Zellen. Die Fibroblasten werden zur Produktion von neuem Kollagen und Elastin angeregt, was die Haut strafft und regeneriert. Bei der Anwendung in Fettgewebe kann der Druck des Gases zudem Fettzellen mechanisch schädigen (Lipolyse).
- Beratung & Desinfektion: Nach einem ausführlichen Aufklärungsgespräch wird das zu behandelnde Hautareal gründlich gereinigt und desinfiziert.
- Injektion: Der Behandler schließt eine sehr feine Nadel an ein spezielles Gerät an, das den Fluss und die Menge des medizinischen CO2 präzise steuert. Das Gas wird dann langsam an mehreren Punkten in das Zielgewebe injiziert.
- Empfindung: Patienten berichten oft von einem leichten Druck-, Spannungs- oder Kribbelgefühl während der Injektion. Es kann zu einem harmlosen, knisternden Hautgefühl (subkutanes Emphysem) kommen, da sich das Gas kurzzeitig unter der Haut verteilt.
- Dauer & Nachsorge: Eine Sitzung dauert nur etwa 15 bis 30 Minuten. Danach kann man sofort wieder seinen gewohnten Tätigkeiten nachgehen. Eine spezielle Nachsorge ist meist nicht erforderlich.
Die wichtigsten Vorteile und Effekte für die Haut
Die Carboxytherapie wird für eine Vielzahl von ästhetischen Indikationen eingesetzt:
Dunkle Augenringe:
Besonders bei bläulich durchscheinenden Ringen, die durch eine schlechte Mikrozirkulation verursacht werden.
Dehnungsstreifen (Striae):
Bei frischen (rötlichen) Streifen zur Anregung der Kollagenreparatur, bei älteren (weißen) Streifen ist die Wirkung begrenzt.
Cellulite:
Zur Verbesserung der Durchblutung und Straffung des Bindegewebes.
Lokale Fettdepots:
Zur Unterstützung der Fettreduktion an kleinen Arealen wie Doppelkinn oder „Reiterhosen“.
Hautstraffung:
An Arealen wie dem Hals, Dekolleté oder den Oberarmen.
Zur Auflockerung von atrophen Narben oder Aknenarben.
Realitätscheck: Wie gut ist die Wirksamkeit belegt?
Obwohl die Carboxytherapie seit Jahren angewendet wird und der physiologische Wirkmechanismus plausibel ist, variiert die wissenschaftliche Studienlage je nach Anwendungsgebiet.
| Anwendungsgebiet | Wissenschaftliche Evidenz & realistische Erwartung |
|---|---|
| Dunkle Augenringe | Gut belegt: Mehrere Studien zeigen eine signifikante Aufhellung und Verbesserung der Hautdicke. Gilt als eine der effektivsten Anwendungen. |
| Dehnungsstreifen | Vielversprechend: Studien deuten auf eine gute Wirksamkeit hin, insbesondere bei frischen Dehnungsstreifen. Eine vollständige Entfernung ist aber unrealistisch. |
| Cellulite & Fettreduktion | Limitiert: Die Ergebnisse sind oft uneinheitlich und weniger ausgeprägt als bei etablierten Verfahren. Kann als unterstützende Maßnahme sinnvoll sein. |
| Hautstraffung & Narben | Plausibel, aber weniger erforscht: Die Kollagenstimulation kann hier positive Effekte haben, es gibt aber weniger spezifische, hochwertige Studien. |
Wichtige Risiken und Nebenwirkungen
Die Carboxytherapie gilt bei korrekter Anwendung durch qualifiziertes Personal als sehr nebenwirkungsarm. Dennoch gibt es Risiken.
Mögliche Risiken und Kontraindikationen
- Häufige Nebenwirkungen: Leichte Schmerzen an der Einstichstelle, Rötungen, Schwellungen und kleine Blutergüsse (Hämatome) sind häufig und klingen von selbst ab. Das Knistern unter der Haut verschwindet innerhalb von Stunden.
- Wichtige Anwendungsrisiken: Es darf ausschließlich steriles, medizinisches Kohlendioxid verwendet werden. Die Injektion von nicht-medizinischem Gas kann zu einer gefährlichen Gasembolie führen! Die Behandlung muss daher zwingend von einem erfahrenen Arzt oder Heilpraktiker mit zertifizierten Geräten durchgeführt werden.
- Kontraindikationen: Nicht behandelt werden dürfen Personen mit akuten Hautinfektionen, schweren Herz- oder Lungenerkrankungen, Niereninsuffizienz, Blutgerinnungsstörungen oder während der Schwangerschaft und Stillzeit.
Wer sich vor einem geplanten ästhetischen Eingriff finanziell gegen die Kosten einer potenziellen Folgebehandlung absichern möchte, kann eine Folgekostenversicherung abschließen.
- Kleine Areale (z.B. Augenringe): ca. 50 € – 150 € pro Sitzung.
- Größere Areale (z.B. Oberschenkel bei Cellulite): ca. 150 € – 300 € pro Sitzung