Succinylcholin Nebenwirkungen: Definition, Risiken und Kontraindikationen
Wer eine Schönheitsoperation plant, begegnet dem Wirkstoff Succinylcholin meist ohne es zu wissen: Er gehört zur Standardausstattung der Narkoseeinleitung. Als einziges depolarisierendes Muskelrelaxans in der Humanmedizin bewirkt Succinylcholin eine kurze, vollständige Muskellähmung — und bringt dabei ein klar definiertes Nebenwirkungsprofil mit. Weil der Wirkstoff nicht antagonisierbar ist, lohnt es sich, seine Risiken zu kennen.
Wie funktioniert Succinylcholin? Wirkmechanismus und Pharmakokinetik
- Succinylcholin bindet an nikotinerge Acetylcholinrezeptoren der motorischen Endplatte
- Wirkeintritt: 40–60 Sekunden nach intravenöser Injektion
- Wirkdauer: 4–6 Minuten unter normalen Bedingungen
- Abbau durch Pseudocholinesterase im Plasma; Metabolit: Succinylmonocholin
- Keine pharmakologische Antagonisierung möglich
Succinylcholin (Suxamethonium) bindet an nikotinerge Acetylcholinrezeptoren der motorischen Endplatte der Skelettmuskulatur. Acetylcholin ist der natürliche Neurotransmitter an dieser Synapse. Succinylcholin imitiert seine Wirkung, wird aber nicht durch die synaptische Acetylcholinesterase abgebaut. Die Membran bleibt dauerhaft depolarisiert. Die Muskelfaser kann keine weiteren Aktionspotenziale erzeugen und erschlafft.
Dieser Zustand hält so lange an, bis das Plasma-Enzym Pseudocholinesterase (auch: Butyrylcholinesterase) den Wirkstoff hydrolysiert. Das erste Abbauprodukt ist Succinylmonocholin. Succinylmonocholin bindet nur noch schwach an Rezeptoren, bevor es weiter zu Bernsteinsäure und Cholin zerfällt. Unter Normalbedingungen geschieht dieser Abbau rasch. Deshalb zählt Succinylcholin zu den ultrakurz wirksamen Muskelrelaxanzien.
Warum Succinylcholin klinisch unverzichtbar bleibt
Succinylcholin wird vor allem bei der Rapid Sequence Induction (RSI) eingesetzt. RSI bezeichnet eine Notfall-Narkoseeinleitung, die bei Patienten mit vollem Magen das Aspirationsrisiko minimiert. Der schnelle Wirkeintritt und die kurze Wirkdauer machen Succinylcholin dabei zur bevorzugten Substanz. Gelingt die Intubation nicht, endet die Lähmung rasch — der Patient kann wieder spontan atmen. Sein Wirkeintritt von 40–60 Sekunden wird von keinem nicht-depolarisierenden Muskelrelaxans in dieser Kürze erreicht.
Pseudocholinesterase-Mangel: wenn die Wirkung zu lange anhält
Bei genetisch bedingtem oder erworbenem Pseudocholinesterase-Mangel verlängert sich die Wirkdauer erheblich. Typische Ursachen eines erworbenen Mangels sind Lebererkrankungen, Schwangerschaft, Mangelernährung oder Cholinesterasehemmer. Patienten mit schwerem genetischen Defekt können nach einer Standarddosis über Stunden ateminsuffizient sein. Maschinelle Beatmung ist dann zwingend notwendig. Gemäß der Fachinformation Succinylcholin 2 % Inresa ist daher vor der Anwendung eine Anamnese zu Cholinesterasemangel-Risiken obligatorisch.
Succinylcholin Nebenwirkungen: Übersicht nach Organsystemen
- Faszikulationen: unkontrollierte Muskelzuckungen vor Lähmungsbeginn (sehr häufig, >1/10)
- Postoperative Myalgien: Muskelschmerzen 12–24 Stunden nach der OP (sehr häufig, >1/10)
- Hyperkaliämie: Kaliumanstieg mit Herzrhythmusstörungsrisiko (gelegentlich, 1/100–1/10)
- Herzrhythmusstörungen: Bradykardie oder Tachykardie durch vagale Stimulation (gelegentlich)
- Anstieg des Augeninnendrucks: kritisch bei Glaukom und Augenverletzungen (bekannter Effekt)
- Maligne Hyperthermie: lebensbedrohliche Muskelrigidität und Fieber (selten, <1/10.000)
Succinylcholin Nebenwirkungen lassen sich nach den betroffenen Organsystemen gliedern. Diese Gliederung hilft dem Anästhesieteam, Risikopatienten gezielt zu identifizieren. Nachfolgend werden die wichtigsten Kategorien einzeln erläutert.
| Organsystem | Nebenwirkung | Häufigkeit / Risikofaktor |
|---|---|---|
| Skelettmuskulatur | Faszikulationen, postoperative Myalgien | Sehr häufig (>1/10); besonders bei muskulösen Patienten |
| Elektrolyte / Herz | Hyperkaliämie, Herzrhythmusstörungen | Gelegentlich (1/100–1/10); gefährlich bei Verbrennungen, Niereninsuffizienz, Denervation |
| Kardiovaskulär | Bradykardie, Tachykardie | Gelegentlich; besonders nach Wiederholungsdosen |
| Augen | Anstieg des Augeninnendrucks | Bekannter Effekt; kritisch bei Glaukom, penetrierenden Augenverletzungen |
| Muskel-Metabolismus | Maligne Hyperthermie | Selten (<1/10.000); bei genetisch disponierten Patienten lebensbedrohlich |
| Immunsystem | Anaphylaxie / allergische Reaktion | Selten; bei bekannter Überempfindlichkeit |
| Magen-Darm-Trakt | Erhöhter intragastraler Druck | Durch Faszikulationen der Bauchwandmuskulatur |
Faszikulationen und postoperative Myalgien
- Faszikulationen entstehen durch simultane Depolarisation aller Muskelfasern (sehr häufig, >1/10)
- Faszikulationen dauern wenige Sekunden; der Patient erlebt sie nicht bewusst
- Myalgien treten 12–24 Stunden postoperativ auf und klingen nach 1–2 Tagen ab
- Junge, körperlich aktive Patienten sind stärker betroffen als ältere
- Präcurarisierung mit einem nicht-depolarisierenden Muskelrelaxans kann die Intensität reduzieren
Faszikulationen sind kurze, unkontrollierte Muskelzuckungen. Succinylcholin aktiviert alle nikotinergen Acetylcholinrezeptoren gleichzeitig. Das löst eine synchrone Entladung aller Muskelfasern aus. Sichtbar sind diese Zuckungen am Rumpf, an Armen und Beinen. Für Patientinnen und Patienten, die eine Schönheitsoperation planen, bedeutet das konkret: Die Zuckungen sind kein Zeichen einer Komplikation, sondern erwartbare Wirkung des Narkosemittels.
Problematisch werden Faszikulationen, weil sie mikromechanische Schäden an den Muskelfasern verursachen. Der Effekt ähnelt einem kurzen, intensiven Muskeltraining. Daraus entstehen die postoperativen Myalgien.
Postoperative Myalgien: wer ist stärker betroffen?
Postoperative Myalgien nach Succinylcholin äußern sich als dumpfe Muskelschmerzen. Patienten beschreiben sie als Muskelkater. Die Beschwerden beginnen 12–24 Stunden nach der Operation. Nach 1–2 Tagen klingen sie ab. Junge, körperlich fitte Patienten zeigen stärkere Myalgien als ältere oder wenig muskelkräftige Personen — weil ihre Faszikulationen kräftiger ausfallen und mehr Mikroverletzungen hinterlassen.
Zur Abschwächung setzt die Anästhesie eine sogenannte Präcurarisierung ein. Dabei wird einige Minuten vor Succinylcholin eine subparalytische Dosis eines nicht-depolarisierenden Muskelrelaxans gegeben. Dieses besetzt einen Teil der Acetylcholinrezeptoren und dämpft die Faszikulationsintensität. Einen vollständigen Schutz bietet diese Maßnahme nicht.
Hyperkaliämie: Kaliumanstieg als Herzrisiko
- Depolarisation setzt Kalium aus Muskelzellen ins Blut frei
- Normaler Anstieg: ca. 0,5 mmol/l — für gesunde Patienten klinisch bedeutungslos
- Risikopatienten können Kaliumwerte über 6,5 mmol/l erreichen — Herzrhythmusstörungen drohen
- Hauptrisikogruppen: Verbrennungsopfer, Niereninsuffizienz, Denervationssyndrome, Immobilisierte
- Kammerflimmern ist bei Werten über 7,0 mmol/l möglich
Hyperkaliämie durch Succinylcholin entsteht, weil die Depolarisation der Muskelfasern Kaliumionen aus dem Zellinneren in den Blutkreislauf freisetzt. Bei gesunden Patienten steigt der Kaliumspiegel um ca. 0,5 mmol/l. Dieser Wert belastet den Körper nicht.
Anders verhält es sich bei Patienten mit veränderter Muskelmembran oder vorbestehendem Kaliumüberschuss. Gemäß der Fachinformation Succinylcholin 2 % Inresa zählen zu den Hochrisikogruppen:
- Patienten mit ausgedehnten Verbrennungen (ab der zweiten Woche nach dem Ereignis)
- Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz und vorbestehend erhöhtem Kaliumspiegel
- Patienten mit akuten oder chronischen Denervationssyndromen (z. B. nach Rückenmarksverletzungen, bei schweren Polyneuropathien)
- Patienten nach länger dauernder Immobilisation oder Intensivbehandlung
Kaliumwerte über 6,5 mmol/l führen zu schwerwiegenden Herzrhythmusstörungen. Werte über 7,0 mmol/l können Kammerflimmern und Herzstillstand auslösen. Deshalb gilt die Hyperkaliämie-Disposition als relative Kontraindikation. Das Anästhesieteam wählt dann bevorzugt Rocuronium.
Maligne Hyperthermie: seltene Notfallkomplikation
- Maligne Hyperthermie ist eine genetisch bedingte Reaktion auf Triggerfaktoren (selten, <1/10.000)
- Succinylcholin ist neben halogenierten Inhalationsanästhetika ein bekannter Trigger
- Symptome: Muskelrigidität, Körpertemperatur über 40 °C, Azidose, Tachykardie
- Behandlung: sofortige Triggerabsetzung, Dantrolen i.v., Kühlung, Azidosekorrektur
- Absolute Kontraindikation bei bekannter Disposition oder positiver Familienanamnese
Die maligne Hyperthermie (MH) ist eine seltene, potenziell tödliche pharmakogenetische Störung der Skelettmuskulatur. Succinylcholin und halogenierte Inhalationsanästhetika wie Sevofluran oder Isofluran lösen sie bei genetisch disponierten Patienten aus. Der Mechanismus: Ein Defekt im Ryanodinrezeptor (RYR1) führt zu unkontrollierter Kalziumfreisetzung aus dem sarkoplasmatischen Retikulum der Muskelfasern.
Die Folgen dieser Kalziumüberladung sind eine anhaltende Muskelrigidität, ein extremer Anstieg des Stoffwechsels und ein rapider Temperaturanstieg auf über 40 °C, manchmal bis 44 °C. Gleichzeitig entsteht eine schwere metabolische Azidose. Das Herz reagiert mit Tachykardie und Rhythmusstörungen.
Symptome und Diagnose der malignen Hyperthermie
Früh fallen ein Anstieg des endexspiratorischen CO₂ (ETCO₂) und eine Tachykardie auf — beides Zeichen des gesteigerten Stoffwechsels. Kurz darauf entwickelt sich Muskelrigidität, erkennbar an erhöhter Kiefersteife (Masseterspasmus). Ohne sofortige Behandlung verläuft die maligne Hyperthermie lebensbedrohlich. Die Diagnose wird klinisch gestellt. Ein Bestätigungstest (In-vitro-Kontrakturtest) ist nur postoperativ an spezialisierten Zentren möglich. In Deutschland koordiniert die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) diese MH-Referenzzentren.
Behandlung: Dantrolen als spezifisches Antidot
Sobald eine maligne Hyperthermie erkannt wird, sind folgende Sofortmaßnahmen einzuleiten:
- Alle Triggerfaktoren sofort absetzen (Succinylcholin, halogenierte Anästhetika)
- Narkose auf nicht-triggernde Substanzen umstellen (z. B. totale intravenöse Anästhesie mit Propofol)
- Dantrolen intravenös als spezifisches Antidot; Dantrolen hemmt die Kalziumfreisetzung aus dem sarkoplasmatischen Retikulum
- Physikalische Kühlung des Patienten (Eispackungen, gekühlte Infusionen)
- Korrektur der Azidose und der Elektrolytentgleisungen
- Intensivmedizinische Überwachung für mindestens 24 Stunden
Kardiovaskuläre Effekte: Bradykardie und Herzrhythmusstörungen
Succinylcholin stimuliert nicht nur nikotinerge, sondern auch muskarinerge Acetylcholinrezeptoren des Herzens. Daraus entsteht eine vagale Stimulation, die sich als Bradykardie äußert. Besonders ausgeprägt ist dieser Effekt bei Kindern und nach Wiederholungsgaben. Bei Erwachsenen tritt paradoxerweise auch Tachykardie auf, wenn die Stimulation primär über sympathische Ganglien verläuft.
Schwerwiegendere Herzrhythmusstörungen entstehen durch die Kombination von vagaler Stimulation und Hyperkaliämie. Diese Kombination ist bei vorbelasteten Patienten gefährlich. Deshalb gilt ein EKG-Monitoring während der Succinylcholin-Anwendung als obligatorisch.
Anstieg des Augeninnendrucks: Risiko bei Glaukom und offenen Augenverletzungen
Succinylcholin erhöht durch Faszikulationen der extraokulären Muskeln und durch den Anstieg des zentralvenösen Drucks den intraokulären Druck (IOP) vorübergehend. Bei den meisten Patienten ist dieser Effekt klinisch ohne Bedeutung. Bei Patienten mit Glaukom oder penetrierenden Augenverletzungen kann erhöhter IOP jedoch dazu führen, dass Glaskörperinhalt durch die Wunde nach außen gedrückt wird — mit dem Risiko dauerhafter Sehschäden.
Succinylcholin ist deshalb bei penetrierenden Augenverletzungen relativ kontraindiziert. Die Entscheidung liegt beim erfahrenen Anästhesisten: Er wägt das Aspirationsrisiko (Indikation für RSI) gegen das Augenrisiko ab.
Kontraindikationen: Wann ist Succinylcholin ungeeignet?
- Absolute Kontraindikationen schließen die Gabe vollständig aus
- Relative Kontraindikationen erfordern sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung
- Gemäß Fachinformation darf Succinylcholin nur von erfahrenen Anästhesisten angewendet werden
Succinylcholin ist nicht für jeden Patienten geeignet. Die Fachinformation Succinylcholin 2 % Inresa definiert klare absolute und relative Gegenanzeigen:

- Absolute Kontraindikation: bekannte maligne Hyperthermie oder familiäre Disposition
- Absolute Kontraindikation: fehlende Möglichkeit zur künstlichen Beatmung
- Relative Kontraindikation: Pseudocholinesterase-Mangel (verlängerte neuromuskuläre Blockade)
- Relative Kontraindikation: Hyperkaliämie-Risiko (Verbrennungen ab zweiter Woche, Niereninsuffizienz, Denervationssyndrome)
- Relative Kontraindikation: Glaukom oder penetrierende Augenverletzungen
- Relative Kontraindikation: neuromuskuläre Erkrankungen (z. B. Muskeldystrophien, Myasthenia gravis)
- Relative Kontraindikation: bekannte Überempfindlichkeit gegen andere Muskelrelaxanzien
Gemäß Fachinformation darf Succinylcholin ausschließlich von Ärzten angewendet werden, die Intubation, künstliche Beatmung und Wiederbelebungsmaßnahmen beherrschen. Die neuromuskuläre Funktion soll intraoperativ mittels eines Nervstimulators überwacht werden, um Über- und Unterdosierungen zu vermeiden.
Succinylcholin vs. Rocuronium: Vergleich und Entscheidungskriterien
- Rocuronium ist ein nicht-depolarisierendes Muskelrelaxans ohne Hyperkaliämie-Risiko
- Rocuronium ist mit Sugammadex vollständig antagonisierbar; Succinylcholin nicht
- In hoher Dosierung (1,2 mg/kg) erreicht Rocuronium einen vergleichbar schnellen Wirkeintritt
- Die Wahl hängt vom individuellen Risikoprofil des Patienten ab
Succinylcholin und Rocuronium sind die beiden Muskelrelaxanzien, die für die RSI hauptsächlich eingesetzt werden. Beide haben ein unterschiedliches Nebenwirkungsprofil. Die folgende Tabelle fasst die entscheidenden Unterschiede zusammen:

| Merkmal | Succinylcholin | Rocuronium |
|---|---|---|
| Wirkstoffklasse | Depolarisierendes Muskelrelaxans | Nicht-depolarisierendes Muskelrelaxans |
| Wirkeintritt (i.v.) | 40–60 Sekunden | 60–90 Sekunden (bei 1,2 mg/kg: ca. 60 Sek.) |
| Wirkdauer | 4–6 Minuten | 30–60 Minuten (dosisabhängig) |
| Antagonisierbar | Nein | Ja, mit Sugammadex vollständig |
| Hyperkaliämie-Risiko | Ja | Nein |
| Maligne Hyperthermie | Trigger | Kein Trigger |
| Faszikulationen | Ja | Nein |
| Vorteil bei RSI | Kürzeste Wirkdauer bei Intubationsversagen | Reversibler durch Sugammadex |
Die Verfügbarkeit von Sugammadex, einem Cyclodextrin-Derivat, das Rocuronium selektiv bindet und neutralisiert, hat die klinische Diskussion verändert. Ergibt sich eine „Cannot Intubate, Cannot Oxygenate"-Situation, hebt Sugammadex die Blockade in ca. 3 Minuten vollständig auf. Das ist ein wesentlicher Sicherheitsvorteil gegenüber Succinylcholin, das nicht antagonisierbar ist.
Dennoch bleibt Succinylcholin in bestimmten Situationen die bevorzugte Wahl: bei Patienten ohne Kontraindikationen, wenn die kürzestmögliche Wirkdauer entscheidend ist oder wenn Sugammadex nicht verfügbar ist.
| Eigenschaft | Succinylcholin | Rocuronium |
|---|---|---|
| Wirkklasse | Depolarisierendes Muskelrelaxans | Nicht-depolarisierendes Muskelrelaxans |
| Wirkeintritt | Ca. 40–60 Sekunden (sehr schnell) | Ca. 60–90 Sekunden (bei hoch dosierter RSI-Gabe) |
| Wirkdauer | Ca. 4–6 Minuten (ultrakurz) | 20–35 Minuten (mittellang) |
| Antagonisierbar | Nein, keine Antagonisierung möglich | Ja, mit Sugammadex vollständig antagonisierbar |
| Maligne Hyperthermie | Triggersubstanz, absolut kontraindiziert | Kein Trigger, sicher bei MH-Disposition |
| Hyperkaliämie-Risiko | Relevant, Kaliumanstieg durch Depolarisation | Kein Risiko |
| Faszikulationen | Auftreten häufig, vor Lähmungsbeginn | Keine |
| Bevorzugter Einsatz | RSI ohne Kontraindikationen; schnellste Intubationsbedingungen | RSI mit Sugammadex-Backup; MH-Risikopatientinnen und -patienten |
| Metabolismus | Pseudocholinesterase (verlängert bei Mangel) | Hepatisch / biliär, keine Pseudocholinesterase |
RSI = Rapid Sequence Induction (Blitzintubation); MH = Maligne Hyperthermie. Stand: . Angaben nach klinischen Standardleitlinien der Anästhesiologie.
Narkosekomplikationen bei Schönheitsoperationen: finanzielle Absicherung
Schönheitsoperationen wie Fettabsaugung, Bauchdeckenstraffung oder Nasenkorrektur werden nahezu immer unter Vollnarkose durchgeführt. Damit kommen Muskelrelaxanzien wie Succinylcholin zum Einsatz. Narkosekomplikationen sind selten, können aber auftreten — ohne dass Arzt oder Patient ein Verschulden trifft.

Entsteht nach einem kosmetischen Eingriff eine Komplikation, übernehmen gesetzliche Krankenkassen die Folgekosten nur teilweise oder gar nicht. Behandlungen, Revisionsoperationen und stationäre Aufenthalte müssen dann privat finanziert werden. Solche Summen können schnell erhebliche Größenordnungen erreichen.
Eine Folgekostenversicherung schützt Sie genau in diesem Fall: Sie übernimmt medizinisch notwendige Folgebehandlungen und Operationen, die aus dem versicherten Eingriff resultieren — transparent und ohne bürokratische Hürden. Weitere Informationen zu Konditionen und versicherten Eingriffen finden Sie in unserem FAQ-Bereich.
Häufig gestellte Fragen zu Succinylcholin Nebenwirkungen
Was sind die häufigsten Succinylcholin Nebenwirkungen?
Succinylcholin Nebenwirkungen treten nach MedDRA-Klassifikation sehr häufig (>1/10) auf: Faszikulationen sind unkontrollierte Muskelzuckungen unmittelbar vor Eintritt der Lähmung. Postoperative Myalgien äußern sich als Muskelschmerzen, die 12–24 Stunden nach dem Eingriff beginnen und nach 1–2 Tagen abklingen. Bei Risikopatienten kommen Hyperkaliämie und Herzrhythmusstörungen hinzu.
Wann ist Succinylcholin kontraindiziert?
Succinylcholin darf bei bekannter oder familiär disponierter maligner Hyperthermie nicht angewendet werden. Auch wenn eine künstliche Beatmung nicht möglich ist, besteht eine absolute Kontraindikation. Besondere Vorsicht gilt bei Pseudocholinesterase-Mangel, Niereninsuffizienz, ausgedehnten Verbrennungen, Glaukom oder neuromuskulären Erkrankungen. Das Anästhesieteam zieht dann Rocuronium mit Sugammadex-Antagonisierung in Betracht.
Wie wird maligne Hyperthermie durch Succinylcholin behandelt?
Succinylcholin wird bei maligner Hyperthermie sofort abgesetzt. Die Narkose wird auf nicht-triggernde Substanzen umgestellt. Dantrolen — das spezifische Antidot — wird intravenös verabreicht; Dantrolen hemmt die unkontrollierte Kalziumfreisetzung in den Muskelzellen. Zusätzlich erfolgen physikalische Kühlung des Patienten, Korrektur der Azidose und intensivmedizinische Überwachung für mindestens 24 Stunden.
Was ist der Unterschied zwischen Succinylcholin und Rocuronium?
Succinylcholin ist ein depolarisierendes Muskelrelaxans. Wirkeintritt: 40–60 Sekunden; Wirkdauer: 4–6 Minuten; keine Antagonisierung möglich. Rocuronium ist nicht-depolarisierend, hält länger an und kann vollständig mit Sugammadex aufgehoben werden. Rocuronium verursacht keine Faszikulationen und kein Hyperkaliämie-Risiko. Die Wahl zwischen beiden richtet sich nach dem individuellen Risikoprofil des Patienten.
Können Succinylcholin-Myalgien verhindert werden?
Eine vollständige Vermeidung postoperativer Myalgien ist nicht möglich. Eine Präcurarisierung — die Vorgabe eines nicht-depolarisierenden Muskelrelaxans in subparalytischer Dosis — reduziert die Faszikulationsintensität und damit auch die Myalgien. Alternativ kann auf Rocuronium ausgewichen werden, wenn Myalgien für den Patienten besonders belastend wären.