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Biofiller

Der Wunsch nach einer natürlichen Ästhetik und Behandlungen im Einklang mit dem eigenen Körper ist ein wachsender Trend in der Schönheitsmedizin. In diesem Kontext gewinnt der sogenannte Biofiller, auch als Plasma-Filler bekannt, zunehmend an Popularität. Er verspricht eine Faltenbehandlung und einen Volumenaufbau. Das Gel wird vollständig aus dem Eigenblut des Patienten gewonnen und enthält keine synthetischen Zusatzstoffe.

Doch wie funktioniert diese Methode genau, was kann sie leisten und – am wichtigsten – wie sicher ist sie wirklich? In unserem Glossarbeitrag beleuchten wir den Biofiller objektiv, erklären den Prozess und geben Ihnen eine realistische Einschätzung zu den Chancen und Risiken.

Disclaimer
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  • Dieser Artikel dient der reinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Beratung. Für die Erstellung eines individuellen Behandlungsplans ist das Gespräch mit einem qualifizierten Facharzt (Dermatologe, Plastischer Chirurg) unerlässlich.
Behandlung mit einem Biofiller

Definition: Was ist ein Biofiller?

Ein Biofiller, auch Plasma-Filler oder PRF-Filler genannt, ist eine gelartige Füllsubstanz, die zu 100 % aus dem Eigenblut des Patienten gewonnen wird. Dabei wird durch ein spezielles Verfahren aus dem Blutplasma ein Gel hergestellt, das reich an Blutplättchen (Thrombozyten) und Wachstumsfaktoren ist.

Dieses autologe Gel wird anschließend wie ein klassischer Dermalfiller zur Unterspritzung von Falten, zum Volumenaufbau oder zur Verbesserung der Hautqualität verwendet.

Wie wird der Biofiller hergestellt? Der Ablauf in 3 Schritten

Die Herstellung des Biofillers erfolgt direkt in der Praxis unmittelbar vor der Behandlung und dauert in der Regel etwa 30 bis 45 Minuten.

Schritt 1: Blutentnahme

Dem Patienten wird eine kleine Menge Blut aus der Armvene entnommen, vergleichbar mit einer normalen Blutabnahme beim Hausarzt.

Schritt 2: Zentrifugation und Aufbereitung

Das Blut wird in speziellen Röhrchen in eine Zentrifuge gegeben. Durch die schnelle Rotation trennen sich die Bestandteile des Blutes: die roten Blutkörperchen setzen sich unten ab, während oben das hellgelbe Blutplasma verbleibt. Für den Biofiller wird das plättchenreiche Fibrin (PRF) durch eine spezielle Zentrifugation gewonnen, bei der ein Fibrin-Gerinnungsnetzwerk mit den Plättchen und Wachstumsfaktoren entsteht.

Schritt 3: Herstellung des Gels und Injektion

Das gewonnene PRF-Gerinnungsnetzwerk wird durch einen kontrollierten Prozess zu einer gelartigen, injizierbaren Konsistenz gebracht, die sich durch die Eigenwärme des Körpers oder gegebenenfalls sanftes Erwärmen verflüssigen lässt. Dieses fertige Plasmagel kann der behandelnde Arzt oder Heilpraktiker dann mit feinen Nadeln in die gewünschten Areale injizieren.

Herstellungsprozess des Biofillers

Wie wirkt der Biofiller in der Haut?

Die Wirkung des Biofillers ist zweifach:

1. Sofortiger Volumeneffekt:

Das injizierte Gel füllt Falten und Volumendefizite unmittelbar auf, ähnlich wie ein Hyaluronsäure-Filler. Der direkte Volumeneffekt ist temporär, da der Körper das Gel nach einigen Monaten abbaut. Die biostimulierende Wirkung auf Kollagenbildung hält jedoch länger an.

2. Biostimulation:

Dies ist der entscheidende, langfristige Effekt. Die im PRF hochkonzentrierten Wachstumsfaktoren stimulieren die körpereigenen Regenerationsprozesse und können die Fibroblasten (Bindegewebszellen) anregen, neues Kollagen und Elastin zu produzieren. Die Wirkstärke ist jedoch individuell unterschiedlich.

Biofiller vs. Hyaluronsäure: Ein kritischer Vergleich

Merkmal Biofiller (Plasma-Filler) Hyaluronsäure-Filler
Material 100 % körpereigen (autolog) Synthetisch hergestellt, aber naturidentisch
Verträglichkeit Exzellent, keine allergischen Reaktionen Sehr gut, Allergien extrem selten
Wirkweise Volumen + Biostimulation (Kollagenaufbau) Primär Volumen & Feuchtigkeitsbindung
Hebekapazität Geringer, ideal für weiche Übergänge Hoch, ideal für Konturierung (Kinn, Wangen)
Ergebnis Sehr natürlich, aber schwerer vorhersehbar Sehr präzise steuer- und vorhersagbar
Haltbarkeit 3–6 Monate, regenerative Effekte länger 6–18 Monate, je nach Produkt und Region
Auflösbarkeit Nicht gezielt auflösbar Gezielt auflösbar mit dem Enzym Hylase
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Wissen tanken?
In unserem Glossar findest du einfache Erklärungen und hilfreiche Infos – kompakt und verständlich aufbereitet.

Anwendungsbereiche und Grenzen der Behandlung

Biofiller eignet sich besonders gut für:

  • Auffüllung von leichten bis moderaten Falten (z.B. Nasolabialfalten)
  • Behandlung von Augenringen und Tränenrinnen
  • Verbesserung der Hautqualität und Straffung
  • Natürlicher, sanfter Volumenaufbau in den Wangen

Wichtige Grenzen: Für stark ausgeprägte Falten oder eine deutliche Konturierung
(z.B. Jawline, Kinnaufbau) sind Hyaluronsäure-Filler aufgrund ihrer höheren Stabilität und Hebekapazität oft die
bessere Wahl.

Risiken & Nebenwirkungen: Wenn ``natürlich`` nicht risikofrei bedeutet

Das größte Verkaufsargument des Biofillers ist seine Natürlichkeit. Daraus wird oft fälschlicherweise geschlossen, die Behandlung sei risikofrei. Das ist nicht korrekt.

Wichtige Sicherheitshinweise und Risiken

  • Häufige Nebenwirkungen: Wie bei jeder Injektion sind Schwellungen, Rötungen, leichte Schmerzen und kleine Blutergüsse (Hämatome) normal und klingen nach wenigen Tagen ab.
  • Prozessbedingte Risiken: Die Sicherheit des Verfahrens hängt vollständig von der sterilen Arbeitsweise, der Qualität der Geräte und der Erfahrung des Anwenders ab. Bei mangelnder Hygiene besteht ein ernsthaftes Infektionsrisiko, da mit Blutprodukten gearbeitet wird.
  • Anwendungsrisiken: Eine unsachgemäße Injektion durch einen unerfahrenen Anwender kann zu Asymmetrien, Knötchenbildung oder ungleichmäßigen Ergebnissen führen.
  • Fehlende Langzeitdaten: Im Vergleich zu Hyaluronsäure, die seit Jahrzehnten erforscht wird, ist der Biofiller eine neuere Methode. Umfassende Langzeitstudien zur Sicherheit und Wirksamkeit sind noch nicht abgeschlossen, erste klinische Erfahrungen zeigen jedoch vielversprechende Ergebnisse.

Die Wahl eines qualifizierten Arztes oder Heilpraktikers mit nachgewiesener Erfahrung in der Eigenbluttherapie ist daher von entscheidender Bedeutung.

Auch der Abschluss einer Folgekostenversicherung kann Patienten zusätzliche Sicherheit verschaffen: Sie greift, wenn unerwartete medizinische Komplikationen auftreten und für deren Behandlung zusätzliche Kosten entstehen, die nicht von der regulären Krankenversicherung übernommen werden.

Was kostet eine Behandlung mit Biofiller?

Die Kosten für eine Biofiller-Behandlung sind höher als bei einer reinen PRP-Therapie, da der Herstellungsprozess aufwendiger ist. Sie variieren je nach Praxis, Region und benötigter Menge.

Im Durchschnitt können Sie mit Kosten zwischen 400 € und 800 € pro Sitzung rechnen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Biofiller

Ist die Behandlung schmerzhaft?
Die Blutentnahme ist ein kurzer Pieks. Die Injektionen selbst können als unangenehm empfunden werden, daher wird die Haut meist mit einer Betäubungscreme vorbereitet.
Was ist der Unterschied zum Vampir-Lifting (PRP)?
Beim Vampir-Lifting wird flüssiges, plättchenreiches Plasma (PRP) oberflächlich in die Haut injiziert oder per Microneedling eingearbeitet, um die Hautqualität zu verbessern. Beim Biofiller wird das Plasma (PRF) zu einem dickflüssigen Gel verarbeitet, das auch Volumen geben kann.
Wie viele Behandlungen sind nötig?
Für einen sichtbaren und länger anhaltenden Effekt werden oft 2-3 Behandlungen im Abstand von ca. 4-6 Wochen empfohlen. Danach genügen jährliche Auffrischungen.
Wie lange hält der Biofiller?
Der direkte Volumeneffekt des Gels hält etwa 3 bis 6 Monate. Der stimulierende Effekt auf die Kollagenproduktion und die damit verbundene Hautverbesserung hält jedoch deutlich länger an.
Gibt es Personen, die nicht behandelt werden dürfen?
Ja. Kontraindikationen sind unter anderem Blutgerinnungsstörungen, akute oder chronische Infektionskrankheiten, Krebserkrankungen sowie Autoimmunerkrankungen. Schwangerschaft und Stillzeit erfordern eine individuelle Risikoabwägung und sollten stets mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.